„Schönster Schmuck des Vaterlands“ - Wovon brandenburgische kloester erzählen, und wie sie heute genutzt werden

  

Das von Karl Friedrich Schinkel im frühen 19. Jahrhundert vor gänzlichem Abbruch und Verfall bewahrte Kloster Chorin nördlich von Berlin ist heute Museum und eine im Sommer gut besuchte Konzerthalle.

  

In Kloster Zinna ehrt ein Denkmal auf dem Marktplatz König Friedrich II., den Großen. Er hatte hier im 18. Jahrhundert Weber gesiedelt und den Ort „planmäßig“ bebauen lassen. Zinna ging auch durch eine im Kloster mit Kursachsen und Braunschweig beschlossene Münzreform von 1667 in die Geschichte ein.

  

In ein Archäologisches Landesmuseum wurde vor einigen Jahren das im Krieg zerstörte Pauli-Kloster in Brandenburg (Havel) verwandelt.

Fotos: Caspar

kloester in Brandenburg
sind, um mit Theodor Fontane zu sprechen, ein weites Feld. Die ersten Bauten dieser Art wurden bereits im 13. Jahrhundert errichtet, als die „terra incognita“, das unbekannte Land östlich der Elbe, kolonisiert und christianisiert wurde, wobei es nicht immer friedlich zuging, sondern Feuer und Schwert regierten. Herausragend war die zivilisatorische Bedeutung der als geistliche Zentren gestifteten kloester. Mönche und Nonnen halfen den Brandenburgern, die Erträge von Ackerbau und Viehzucht zu steigern, waren in der Krankenpflege und im Sozialwesen tätig und spielten im Bildungswesen eine hervorragende Rolle. Von Landesfürsten, Grundbesitzern und Pilgern mit Geldzuwendungen und Ländereien beschenkt, waren die kloester sowohl wichtige spirituelle Zentren und Versorgungseinrichtungen für nicht erbberechtigte Söhne und unverheiratete Töchter aus dem Adel, sondern auch bedeutende Wirtschaftsbetriebe, auf die sich gelegentlich fürstliche Begehrlichkeiten richteten.
Baumaterial für die mit großartigen Kreuzgewölben und prächtigen Schauwänden ausgestatteten Kirchen und die vielen anliegenden Bauten der Äbte, Mönche und Nonnen gab es vor Ort – Lehm zum Brennen der Ziegel war genug vorhanden, ebenso Holz zum Befeuern der Öfen und für die Konstruktion der Decken und Dächer. Allein die Errichtung der monumentalen Klostergebäude erforderte neben der Versorgung der Bauleute eine gut entwickelte Infrastruktur, die den ständigen Nachschub an Backsteinen, Bauholz und Brennmaterial sicherte. Grundlage war natürlich eine ausreichende finanzielle Basis; aber damit hatten zumindest die kloester in der Regel kein Problem.

Reformation mit Folgen
Das Jahr 1539 brachte in der Kirchengeschichte der Mark Brandenburg eine fundamentale Wende. Im Zusammenhang mit der Einführung der Lutherschen Reformation durch die im Land regierenden Hohenzollern wurden unter anderem die kloester aufgehoben und ihr Vermögen der Staatskasse zugeführt. Im besten Falle hat man die Klosterbauten in Pfarrkirchen, Schulen oder Hospitäler verwandelt oder sie zu Amtshäusern oder Jagdschlössern umfunktioniert. Nicht selten hat man als überflüssig empfundene Bauten als Steinbruch ausgeschlachtet und nach und nach abgebrochen. Gelegentlich haben die Archäologen Grundmauern und Reste der ehemaligen Ausstattung gefunden.

Höhepunkt gotischer Architektur
Ungeachtet der vielen Abrisse und Umnutzungen, die die ehemals sehr reiche Klosterlandschaft in der Mark Brandenburg über sich hat ergehen lassen, können sich die Bauten sehen lassen und werden von Reisenden gern frequentiert. Kirche und Kommunen, Denkmalämter und Vereine kümmern sich so gut es angesichts der derzeitigen Finanzlage geht, um dieses auch als kultureller Faktor für die Region wichtige Erbe zu erhalten, das Karl Friedrich Schinkel nach der Inspektion des damals desolaten Klosters Chorin zum „schönsten Schmuck des Vaterlandes“ zählte. Preußens oberster Baumeister war über den Zustand der stark vernachlässigten, zum Teil abbruchreifen Gebäude im heutigen Kreis Barnim so entsetzt, dass er von der Regierung entschiedene Gegenmaßnahmen verlangte - und zum Teil auch durchsetzte. Damit stand Chorin, das zu den Höhepunkten gotischer Klosterbaukunst gezählt wird, mit weiteren gefährdeten Bauten am Beginn der staatlichen Denkmalpflege in Preußen. Im 19. Jahrhundert als „romantische Ruine“ neu entdeckt und gesichert, ist das Bau- und Kunstdenkmal ein beliebtes Touristenziel und dazu im Sommer Ort gut besuchter Open-Air-Konzerte. Ganz im Sinne von Theodor Fontane wird das alte Gemäuer neu genutzt. Im „Stechlin“ spricht der Romancier und„Wanderer durch die Mark Brandenburg“ seine Überzeugung so aus: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben“.

Vergoldeter Puttenprunk
Kaum eines der märkischen kloester hat sich unverändert erhalten. Nur in Resten sind zumeist in Museen Ausstattungsstücke – Altarfiguren, Glasmalereien, Gestühl, Paramente – erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gotteshäuser, Kreuzgänge und Nebengebäude immer wieder umgebaut, erweitert und dem herrschenden Geschmack angepasst. Sehr gut kann man diesen Modernisierungswillen im ehemaligen Zisterzienserkloster Neuzelle (Landkreis Oder-Spree) erleben. Dessen großartige Kirche aus dem 14. Jahrhundert zeigt sich aussen und innen barock überformt. Als habe man eine süddeutsche Wallfahrtskirche vor sich, erstaunt das im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verwüstete und danach umgestaltete katholische Gotteshaus mit vergoldetem Puttenprunk und unzähligen Heiligenfiguren. Nach archäologischem Befund und alten Plänen wird der barocke Klostergarten, der einzige in der Mark Brandenburg, rekonstruiert (siehe dazu im Folgenden einen weiteren Beitrag).
Angemessene Nutzung hat schon immer zur Lebensverlängerung historischer Bauten beigetragen, wie man im ehemaligen Zisterziensierinnenkloster zum Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) beobachten kann. Nach der Devise „Beten und arbeiten“ gingen in der weitläufigen Anlage unverheiratete Damen aus adligen Familien einer karitativen Tätigkeit nach. Die brandenburgischen Kurfürsten und preußischen Könige hielten ein wohlgefälliges Auge auf das Fräuleinstift, das am Mitte des 19. Jahrhunderts Mädchenschule, nach dem Zweiten Weltkrieg auch Pflegeheim und Diakonissenhaus war und heute wieder Damenstift ist und gern Frauen aufnimmt, die sich der Klostertradition verpflichtet fühlen. In einem kleinen Museum im restaurierten Stiftshauptmannhaus wird die wechselvolle Geschichte des Klosters erzählt, dessen Kirche im 19. Jahrhundert im Auftrag und zum Ruhme des preußischen Königshauses neogotisch ausgemalt wurde.

Kirche, Konzerthalle und Klinik
Das Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) ist Kirche, Konzerthalle und Klinik zugleich. Die Luise-Henrietten-Stiftung widmet sich in der weitläufigen Anlage vor allem der Betreuung älterer und schwerkranker Patienten sowie der Sterbebegleitung, bietet aber auch Fort- und Weiterbildungskurse in Pflege- und Heilberufen an. Regelmäßig finden in der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Klosterkirche Konzerte und andere auf die Region ausstrahlende Kulturveranstaltungen statt. Die Geschichte ist mit dem Kloster Zinna nicht gerade pfleglich umgegangen. Verschiedene Bauten der weitläufigen Anlage sind verschwunden; ihre Steine findet man in benachbarten Siedlungen wieder. Erhalten blieben dennoch Teile der ehemaligen Abtei mit der Klosterkirche sowie historischen Wohn- und Wirtschaftsbauten. Im Sommer wird zu Konzerten in die Klosterkirche eingeladen, und im Museum gleich nebenan erfährt man einiges über die Geschichte der Anlage, die nach der Reformation als Jagdschloss und Amtshaus der Hohenzollern überlebte.
Seine Wiedergeburt als Brandenburgisches Archäologiemuseum erlebte das ehemalige Pauli-Kloster in Brandenburg (Havel). Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und sich selbst überlassen, ist der eindrucksvolle Komplex ein gutes Beispiel für Anstrengungen des Landes und der Stadt, dem Gebäude eine neue Nutzung zu geben, die seiner Würde entspricht. Die Ausstellung wirkt wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch und umfasst etwa 50 000 Jahre Siedlungsgeschichte zwischen Elbe und Oder. Sie beginnt mit den Hinterlassenschaften spätsteinzeitlicher Menschen vom Typ Neandertaler, die in der wald- und wasserreichen Gegend siedelten, und endet bei Fundstücken, die bei Ausgrabungen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern gemacht wurden.

Münzschätze im Paulikloster
In der Mittelalter- und Neuzeit-Abteilung sind wertvolle Münzschätze ausgelegt, die in den vergangenen Jahren bei Ausgrabungen in den Altstädten, aber auch beim Bau von Straßen und Versorgungsleitungen entdeckt wurden. Wie alle anderen freigelegten Hinterlassenschaften unserer Vorfahren erzählen die Münzen von ihrem Zusammenleben, vom Umgang mit Geld und Gütern, auch von Handelsverbindungen in ferne Länder. Hinter den oft in Töpfen und Krügen aufgefundenen, manchmal auch im Boden verstreuten Schätzen verbergen sich manche tragischen Schicksale. Häufig hatten die Besitzer keine Gelegenheit, ihr über einen langen Zeitraum angespartes Vermögen zu heben, vielleicht weil sie krank waren und ihr Geheimnis mit ins Grab nahmen, oder weil sie einem Unglück oder Mord zum Opfer fielen.

19. Juni 2026